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Episoden aus dem Schwinger-Blog
Montag, 31.03.2008 von Schlussgang
#1 - WIEVIEL WERBUNG IM SCHWINGSPORT
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Jörg Abderhaldens Vertrag mit einem professionellen Vermarkter löste kontroverse Diskussionen aus. Während andere Spitzenschwinger die Offensive des dreifachen Königs begrüssen, wehren sich konservative Schwingerfreunde gegen wandelnde Plakatsäulen. Bereits jetzt toleriert: Der alte und neue Schwingerkönig jubelt im Wettkampftenü ohne Werbung, die Reklame bei den Verbandskollegen ist dezent gehalten. Der Eidgenössische Schwingerverband (ESV) befindet sich im Dilemma. Der alte und neue König gewann nach seiner Glanzvorstellung in Aarau den Titel «Schweizer des Jahres 2007» und bescherte damit der Schwingerszene weitere positive Publizität. Doch mit dem darauf folgenden Marketingvertrag tut sich insbesondere die ältere Schwingergeneration schwer. Der Anfang März in Schwyz abgetretene ESV-Obmann Hans Pauli reichte den «Fall Abderhalden» wie eine heisse Kartoffel weiter: «Damit soll sich der neue Zentralvorstand befassen.» An der eidgenössischen Abgeordnetenversammlung blieben kritische Voten zur Werbeoffensive mehrerer Ostschweizer Schwinger gänzlich aus. Stattdessen ehrte der Zentralvorstand Abderhalden für seine einmalige Wahl, und Pauli überreichte dem dreifachen König ein Couvert mit einem «namhaften Betrag» für seine laufende Ausbildung zum Schreinermeister. Der neue Obmann Ernst Schläpfer erklärte bereits im SCHLUSS- GANG-Interview Ende letzten Jahres, die Werbebeschränkung sei zu überdenken.

«Vermarktung ist verwerflich» Anderer Ansicht ist Alt-Obmann Hans Bäni. Er ärgerte sich, dass Abderhalden an der AV in Schwyz als «wandelnde Plakatsäule» auftrat, wie er sagt. «Ich goutiere nicht, was Jörg jetzt unternimmt. Es ist verwerflich, wenn er sich vermarkten lässt.» Der Aargauer erwartet, dass sich der neue Zentralvorstand der Werbeproblematik annimmt. Reklame an Schwingfesten zur Deckung der enormen Kosten für die Infrastruktur seien in Ordnung. «Hingegen ist die persönliche Werbung exakt zu prüfen.» Bäni verlangt klare Richtlinien, die dann auch durchgesetzt werden sollen. Abderhaldens Vertragspartner, der Sportvermarkter IMG, wäre wie viele Spitzenschwinger über eine Lockerung der Richtlinien glücklich und hofft diesbezüglich auf Abderhaldens Götti Ernst Schläpfer. Der zuständige Kundenbetreuer Rolf Huser beteuert jedoch, dass die gültigen Bestimmungen eingehalten würden, wobei es Interpretationsmöglichkeiten gebe. «Da halten wir uns an die Gewohnheiten, wie sie sich in den letzten Jahren entwickelt haben.»

Ungleich lange Spiesse amit lässt der Werbeprofi durchblicken, dass die aktuellen ESV-Richtlinien «Reklame und Werbung» weder griffig und klar verständlich, noch umfassend sind (vergleiche Kasten links). Der Innerschweizer Spitzenschwinger Adi Laimbacher kritisiert beispielsweise, dass ein sogenannter Königspartner am Eidgenössischen in Aarau intensiv mit Schwingern Werbung betrieb, den Aktiven hingegen strengstens verboten sei, in Schwinghosen für einen Sponsor aufzutreten. Schon vor einigen Jahren klärten die Ostschweizer Könige Abderhalden und Forrer ihre rechtliche Situation ab und gingen darauf im Rahmen der erlaubten 60 cm2 (auf Kleidungsstücken) respektive 16 (auf Mützen) in die Werbeoffensive. 2006 versuchte der Zentralvorstand, die zunehmende individuelle Werbung bei Spitzenschwingern einzudämmen. Doch dem vors Gremium zitierten Jörg Abderhalden liess sich kein offensichtlicher Verstoss nachweisen. So bliebs bei der «gnädigen» Aufforderung, in Zukunft Mass zu halten. Sanktionen durch den Zentralvorstand blieben aus, obwohl sich beispielsweise Jörg Abderhaldens Werbeaufdrucke hart an der 60-cm2-Limite bewegen und einige Spitzenschwinger im Internet ihre Sponsoren gleich im Dutzend publizieren.

Handlungsbedarf gegeben Mit der neuen Offensive von Abderhalden und Fausch (siehe Seite 7) ist die neue Führung unter Ernst Schläpfer gezwungen, für eine klarere Regelung zu sorgen, um der entstandenen Eigendynamik Einhalt zu gebieten. Auch Alt-Obmann Hans Bäni ist gespannt, was passiert. «Schläpfer trägt die Verantwortung für die Konsequenzen», nimmt der Aargauer den Appenzeller in die Pflicht.

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