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Episoden aus dem Schwinger-Blog
Sonntag, 15.06.2008 von Marco
#19 - INTERVIEW MIT ERNST SCHLäPFER
Schwingfest_4

Der Obmann des Zentralvorstandes vom eidgenössischen Schwingerverband stand bei einem exklusiven Interview mit „Das Portal – www.schwingen.ch“ Red und Antwort.

1. Als neu gewählter Obmann des Zentralvorstands kann man das Vorstandsteam nicht selber auswählen. Wie empfinden Sie die Zusammenarbeit im Vorstand und wo haben Sie im Teamwork schon gute Erfahrungen gemacht? Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich nur positive Erfahrungen gemacht. Alle im ZV wollen das Beste für’s Schwingen. Das ist schon einmal eine gute Voraussetzung zur guten Zusammenarbeit. Alle getrauen sich auch ihre Meinung zu sagen, was ich persönlich wichtig finde, wenn wir gemeinsam weiterkommen wollen. Ich habe aber dies im Grundsatz auch erwartet, es lässt sich niemand in den ZV wählen, wenn er nicht auch das Schwingen als Gesamtes weiterbringen will und nicht nur “seinen” Verband.

2. Im Amt des Obmanns gibt es einiges zu tun. Was sind Ihre nächsten grösseren Ziele, die Sie als Obmann erreichen möchten? Zuerst gilt es einmal die Übersicht zu gewinnen. Dann wollen wir im Bereich der Nachwuchsarbeit einen rechten Schritt weiterkommen. Ein erster Schritt ist mit der Ernennung von Manfred Schneider als Verantwortlichen für den Jungschwingerbereich getan worden. Dann gilt es gemeinsam ein unvergessliches Kilchbergschwinget auf die Beine zu stellen. Diesbezüglich müssen diverse Änderungen überprüft werden. Im Herbst werden wir dann die Unterverbände zusammenrufen und sie fragen, wo sie vor allem der Schuh drückt. Und erst dann werden wir entscheiden, wo weitere Schwerpunkte in meiner dreijährigen Amtsdauer gesetzt werden sollen. Klar ist, dass ich versuche vermehrt mit der Basis, den OK – Verantwortlichen und den Aktivschwingern zu sprechen. Für ein schönes Schwingfest brauchen wir nämlich vor allem diese beiden Gruppen: Engagierte Organisatoren und möglichst viele Aktivschwinger.

3. Es wird viel über das heutige Werbereglement im Schwingsport diskutiert. Wird es in Zukunft zu einer Überarbeitung kommen und können Sie vielleicht schon etwas konkreter werden? Das Werbereglement ist nicht so rigide, wie das von Journalisten immer wieder geschildert wird. Die Veranstalter können einiges an Sponsoren auftreiben und auch die Schwinger selber haben mehr Möglichkeiten, als meist geschildert wird. Trotzdem werden wir hier noch einmal den Hebel ansetzen müssen. Das Reglement muss klarer formuliert werden und dann aber auch so durchgesetzt werden. Beispiel: Wir wollen einen werbefreien Schwingplatz. Was aber machen wir, wenn an einem regionalen Schwingfest Sonnerschirme mit Werbung aufgestellt werden. Müssen wir da tatsächlich eingreifen?

4. Finden Sie überhaupt noch Zeit, Schwingfeste vor Ort zu besuchen? So gegen 15 Schwingfeste werden es wohl schon werden. Ich gehe ja gerne an diese Anlässe, Schwingfeste sind das Wichtigste und wenn ich sie nicht besuche, dann weiss ich auch nicht, wie es an der Basis aussieht.

5. Über Doping wird im Schwingsport nicht viel gesprochen. Was meinen Sie zur aktuellen Situation beim Schwingen und wo könnten Ihrer Meinung nach noch Änderungen gemacht werden? Vergleichen wir mit anderen Sportverbänden stehen wir nicht schlecht da. Im Fussball oder im Eishockey wird z.B. deutlich weniger gemacht. Bedingt durch die neue Organisation des Dopingwesens in der Schweiz werden wir auch hier noch einmal über die Bücher gehen müssen. Diese Saison läuft es noch wie bisher, ab nächster Saison werden dann einige kleinere Neuerungen auf den Verband zukommen.

6. Zum Schluss dieses Interviews wär es noch schön, wenn Sie die Lage des Schwingsport in der heutigen Zeit erläutern könnten. Wo sehen Sie Probleme und wo Chance/Potential für den Nationalsport? Schwingen ist eine schweizerische Vorzeigesportart. Hier ist Sport noch ein friedliches Fest und nicht ein Ersatzkrieg wie z.B. in den bekanntesten Mannschaftssportarten. Schwingen ist eine sehr anspruchsvolle Sportart, aber auch eine sehr spannende. Schwingen würde ich auch als überaus fair, ehrlich und kräftig bezeichnen, etwas halt für echte Männer. Damit habe ich nichts gegen Frauen gesagt, die sich auch im Schwingen üben wollen, aber ich bin überzeugt, dass junge Burschen in unserer Zeit wieder vermehrt echte männliche Tugenden ausleben wollen. Die letzten Eidgenössischen haben bewiesen, dass der Trend zum Schwingen hin geht. Die schwingerischen Strukturen sind auf starker Freiwilligkeit aufgebaut. Dies beizubehalten, resp dort eine Professinalität hinzubringen, wo es auch angebracht ist, wird nicht ganz einfach sein. Wenn Schwingen attraktiv bleiben soll, dürfen wir den Sport nicht verändern. Dagegen müssen wir das Umfeld schon der Zeit anpassen. Nicht zuletzt in den urbanen Zentren muss ein Umdenken stattfinden, der Sport soll archaisch bleiben, das Umfeld muss sich den städtischen Verhältnissen aber mehr anpassen.

Im Namen von „Das Portal – www.schwingen.ch“ danken wir Herrn Schläpfer für das spontane Interview und wünschen Ihm weiterhin viel Freude an der Arbeit fürs Schwingen.

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